20.07.2012, 11:53 Uhr

Braucht Oberteisendorf eine Umgehungsstraße?

Ist es sinnvoll für etwas zu planen, das in den nächsten 20 bis 30 Jahren keine Chancen auf eine Verwirklichung hat, oder wäre es besser zu versuchen mit Mitteln, die in absehbarer Zeit realisierbar sind Verbesserungen einer misslichen Situation zu erreichen? Die kürzlich in den Flächennutzungsplan der Markt-Gemeinde Teisendorf aufgenommene Ortsumfahrung von Oberteisendorf ist eine solche Situation.

Wie schon bei der Debatte im Gemeinderat von Verkehrsgutachter Prof. Dr.Harald Kurzak von der TU München festgestellt worden war hat diese Ortsumfahrung keine realistische Chance in den nächsten 20 bis 30 Jahren Wirklichkeit zu werden. Die Orts-Grünen luden deshalb die Bürger neulich zum Hofwirt in Oberteisendorf ein, um deren Meinungen zu diesem Thema zu hören und darüber zu diskutieren.

Als Experten bei der Diskussion hatten die Orts-Grünen den Umwelt- und tierschutzpolitischen Sprecher der Fraktion im bayerischen Landtag, Dr. Christian Magerl, der auch Vorsitzender des Umweltausschusses im Landtag ist, engagiert. Begrüßt wurden Dr. Magerl und die Besucher in der vollen Gaststube beim Hofwirt durch Gemeinderat Edwin Hertlein, der auch den 3. Bürgermeister, Georg Quentin und den Altbürgermeister von Oberteisendorf, Huber Ainerdinger, sowie mehrere Gemeinderatskolleginnen und Kollegen willkommen hieß. Dr. Magerl sei ?einer der profiliertesten Verkehrspolitiker im Land?, meinte Hertlein. Dr. Magerl legte auch gleich das Grundproblem von Projekten wie der Umgehungsstraße dar. Die finanziellen Mittel für Verkehrsprojekte seien sowohl auf Länder- wie Bundesebene schon so weit in die Zukunft verplant, sagte Dr. Magerl, dass für weitere in den nächsten 20 bis 30 Jahren nicht die Spur einer Chance bestehe realisiert zu werden. ?Wir haben Verkehrswunschzettel, die keine Basis in der Realität haben?. ?In dieser Situation sollten wir stattdessen diskutieren was bringen Pläne und welche Möglichkeiten gibt es für Projekte mit realistischen Chancen zur Verwirklichung?. ?Was bringt es also, wenn jetzt eine Umgehungsstraße im FNP festgeschrieben wird?? fragte Dr. Magerl. Aus seiner Sicht würden dadurch etwaige Maßnahmen, die jetzige Ortsdurchfahrt zu entlasten und sicherer zu machen kompliziert, denn es könnte immer auf die kommende Ortsumfahrung hingewiesen werden. Zudem stehe gar nicht fest, dass eine Ortsumfahrung unbedingt eine Verbesserung bedeuten würde. Es könne durchaus sein, dass durch diese zwar der Verkehr im Ort verringert werde, aber die Gesamtbelastung steige. Anderorts sei auch festgestellt worden, dass, wenn Umgehungsstraßen gebaut würden, der Verkehr anfänglich aus den betreffenden Orten verschwinde, nach einer gewissen Zeit aber wieder zu Pre-Umgangsstraßen Volumen zurückkehre, sagte Dr. Magerl. Auch die Umweltbilanz könne durch Umgehungsstraßen negativ belastet werden, denn durch die ?Durchbretterer? und noch mehr Fernlaster, die der Maut entgehen wollen, würde mehr CO² ausgestoßen. ?Wenn Straßen verlegt werden, werden zwar manche entlastet, andere aber belastet?, meinte Dr. Magerl. Es bedürfe einer genauen Abschätzung der Verkehrsmengen, wie viel wird verlagert und wie viel bleibt.

Jedenfalls sei es sehr viel zielführender und realistisch, sagte Dr. Magerl, wenn alle Möglichkeiten der ?Einbremsung? des Verkehrs durch den Ort ausgeschöpft würden, statt der Utopie einer Umgehungsstraße anzuhängen. Möglichkeiten dazu böten ein Kreisverkehr am Ortseingang, Verkehrsinseln, Ampeln an Fußgänger-Überwegen und eine Geschwindigkeitsbeschränkung auf 30 km/h im Ortsbereich. Dies würde, durch den damit verbundenen Zeitverlust auch Maut-Flüchtlinge fernhalten. Jedenfalls müssten die Möglichkeiten vom Gemeinderat vor Ort zusammen mit den betroffenen Bürgern und Grundbesitzern erörtert und diskutiert werden. Zudem sollte die demografische Entwicklung in die Überlegungen mit einbezogen werden. Die Bevölkerungszahlen in ganz Zentraleuropa würden als rückläufig projiziert und es stelle sich die Frage, warum dann immer mehr Straßen gebraucht würden. Auch die Verlagerungsmöglichkeiten auf den Schienenverkehr seien bei weitem noch nicht ausgeschöpft.

In der folgenden Diskussion meinten einige die Vorschläge von Dr. Magerl seien auch nicht realistisch, denn eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 km/h, oder ein Kreisverkehr an den Ortseingängen und Ampeln an Fußgänger-Übergängen seien nicht durchsetzbar. Dr. Magerl meinte dazu, er wisse aus Erfahrungen Anderorts, dass dies nicht der Fall sei. ?Wenn die Bürger sich zusammentun und Petitionen einreichen könne viel bewegt werden?, meinte Dr. Magerl. Insbesondere wenn auch in der Öffentlichkeit und den Medien entsprechend ?Tam Tam? gemacht werde.

Gemeinderat Edwin Hertlein dankte für die rege Teilnahme an der Diskussion und meinte es habe viele Anregungen gegeben, wie jene zu Ampelanlagen und einen Kreisverkehr. Jedenfalls sollte weiterdiskutiert werden. Es sei kein Naturgesetz, dass der Verkehr immer mehr werden und es deshalb immer mehr Flächenfraß und Straßen geben müsse.

 

Von: al
Kategorie: Teisendorf, Kreisverband, Bernhard Zimmer, Energie, Infrastruktur, Bildung, Nachhaltigkeit, Transparenz, Bundestagswahl, Umwelt
 

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